Weekly / 2026

KW 41/2026KI-Briefing KW 41/2026

Claude Haiku 5.5 kostet 75 % weniger als sein Vorgänger — und Mistral, Reflection und OpenAI liefern dieselbe Woche ihre eigenen Zahlen

Anthropic senkt mit Haiku 5.5 die Kosten des kleinen Modells um durchschnittlich 75 %. Dazu: Mistral Large 4 mit 1 Billion Parametern, Reflection Beam, 722 KI-Mathematikmanuskripte von OpenAI und Googles 3,6-GW-Stromvertrag.

Ausgabedatum
Autor
Stefan Braum
Zeitraum
–
Quellen
11 · 9 Domains
Ausgabe
Deutsches Original

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Anthropic veröffentlicht Claude Haiku 5.5. Das kleine Modell kostet im Schnitt 75 % weniger als Haiku 4.5 und erreicht 72,4 % auf dem OSWorld-Teilset.
  • Mistral zeigt Large 4 mit 1 Billion Parametern. Die Vorschau läuft per API, die offenen Gewichte sollen bis Monatsende folgen.
  • OpenAI veröffentlicht 722 KI-generierte Mathematikmanuskripte. Nicht alle sind formal verifiziert.
  • Google sichert sich 3,6 GW Strom von Constellation. Knapp ein Viertel stammt aus zusätzlicher Kernkraftleistung durch Reaktor-Upgrades.

Claude Haiku 5.5: 75 % günstiger, 72,4 % auf OSWorld

Anthropic stellte am Mittwoch, dem 7. Oktober, Claude Haiku 5.5 vor. Das Modell ist die kleinste Stufe der Familie und für Aufgaben mit hohem Volumen gedacht, etwa Zusammenfassungen, Klassifikation und Datenbankabfragen. Es ist zudem das erste Haiku mit einstellbarer Rechenintensität („Effort") und steht über AWS, Google Cloud und Microsoft Azure bereit.

Die Preise liegen laut Anthropic bei $0,10 pro Million Input-Token und $0,50 pro Million Output-Token für Prompts bis 100.000 Token; darüber gelten $0,50 und $2,50. Haiku 4.5 kostete $1 und $5. Anthropic nennt im Durchschnitt 75 % niedrigere Kosten, bei Anfragen bis 100.000 Token 90 % und darüber 50 %. Zum Vergleich: Sonnet 5.5 kostet $2 und $10, und die Preise für Cache-Reads liegen bei Haiku 5.5 bei $0,01 pro Million Token.

Bei den Leistungswerten fällt der Sprung gegenüber dem Vorgänger auf. Laut Anthropic erreicht Haiku 5.5 auf dem OSWorld-2.1-Teilset (Test für Computerbedienung durch Agenten) 72,4 % gegenüber 15,7 % bei Haiku 4.5, auf Terminal-Bench 4.0 39,2 % gegenüber 0,0 % und auf Humanity's Last Exam ohne Werkzeuge 45,9 % gegenüber 10,2 %. GPT-6 Luna liegt in derselben Tabelle bei 48,9 % auf OSWorld und 16,4 % auf Terminal-Bench. Alle Werte stammen vom Hersteller und liegen bislang nicht unabhängig reproduziert vor.

Strategisch zielt das Modell auf die Rolle des Subagenten. Anthropic positioniert Haiku 5.5 neben Opus 5.5 und Sonnet 5.5 als günstige Ausführungsschicht, die Teilaufgaben eines größeren Modells übernimmt. Das verschiebt den Preiskampf aus KW 39 in die untere Modellklasse: Wer Agentensysteme mit Hunderten Teilaufrufen betreibt, zahlt nun einen Bruchteil der Kosten von vor einem Jahr.

Die Einschränkung liegt in der Lücke zum größeren Schwestermodell. Sonnet 5.5 erreicht im selben Vergleich 83,9 % auf OSWorld und 70,6 % auf Terminal-Bench, Haiku 5.5 bleibt also bei komplexen Terminal-Aufgaben deutlich zurück. Der Preisvorteil zahlt sich daher vor allem bei klar umrissenen Aufgaben aus, nicht bei langen, fehleranfälligen Arbeitsketten.

Kurz notiert

Mistral zeigt Large 4 mit 1 Billion Parametern. Am Montag, dem 6. Oktober, startete Mistral eine öffentliche API-Vorschau von Large 4, einem Mixture-of-Experts-Modell (nur ein Teil der Parameter ist pro Token aktiv) mit 1 Billion Gesamt- und 49 Milliarden aktiven Parametern. Die API kostet $1,36 pro Million Input- und $4,18 pro Million Output-Token, die Gewichte will Mistral bis Ende des Monats freigeben. Laut CNBC dauerte das Training zwei Monate; die Zahl der eingesetzten GPUs weicht zwischen den Quellen ab (3.800 laut Mistral, 4.000 laut CNBC).

Reflection kündigt das offene Modell Beam an. Beam hat 501 Milliarden Gesamt- und 23 Milliarden aktive Parameter und wurde mit 23,8 Billionen Token vortrainiert. Reflection nennt selbst gemessene 80,9 % auf SWE-Bench Verified und 80,1 auf Terminal-Bench v2.1. Die Gewichte sollen später im Oktober unter Apache 2.0 erscheinen; bis dahin gibt es Zugang nur über eine Warteliste.

OpenAI veröffentlicht 722 KI-generierte Mathematikmanuskripte. Das GitHub-Repository vom 7. Oktober enthält Arbeiten in 372 Familien, erzeugt von einem unveröffentlichten internen Modell auf rund 4.000 Probleme, mit durchschnittlich etwa drei Stunden ChatGPT-Pro-Rechenzeit je Ergebnis. Nicht jedes Manuskript hat eine Lean-Formalisierung; OpenAI warnt selbst, einige unformalisierte Resultate könnten Fehler enthalten. Die Prüfung durch Fachleute steht aus.

Google schließt 3,6-GW-Stromvertrag mit Constellation. Am 6. Oktober meldeten Google und Constellation 890 MW neue Kernkraftleistung aus Upgrades an elf Reaktoren sowie einen separaten Liefervertrag über 2.700 MW. Laut Reuters summiert sich das auf 3.590 MW; die ersten zusätzlichen Kapazitäten werden 2028 erwartet, die vollen 890 MW erst 2032.

Anthropic erweitert Cyber-Programme. Das Cyber Verification Program gibt geprüften Sicherheitsteams seit dem 6. Oktober Zugang mit weniger Sperren. Im Test blockierte das System ohne Freischaltung alle Aufgaben, mit „Red Team Access" gab es keine Sperren und 34 von 50 Aufgaben gelangen. Am 8. Oktober folgte die Anthropic Cyber Mission mit elf Gründungspartnern für den Schutz kritischer Infrastruktur und einem kostenlosen Scanner für Open-Source-Projekte, dessen Berichte ohne menschliche Prüfung versandt werden.

DeepSeek steht vor einer Finanzierung von mindestens $12 Mrd. Laut Bloomberg vom 6. Oktober sammelt das chinesische Labor mindestens 80 Milliarden Yuan ein, unter anderem von Tencent und CATL. Ursprünglich war von etwa 50 Milliarden Yuan die Rede; mit unterzeichneten Term Sheets könnte die Runde auf rund 100 Milliarden Yuan wachsen. Das Geld dient als Kapital vor einem Börsengang in Hongkong, der für das erste Quartal 2027 angepeilt wird.

Das Pentagon nutzt Claude nicht mehr. Ein Beamter des Verteidigungsministeriums bestätigte der BBC, dass die Behörde die Anthropic-Produkte nicht mehr einsetzt; Quellen zufolge lief Claude bis in die Vorwoche in Palantirs Maven Smart System. Hintergrund ist die Einstufung als Lieferkettenrisiko im Februar und ein sechsmonatiges Auslaufen. Das Pentagon schloss inzwischen Vereinbarungen mit Google, xAI und OpenAI.

Zahl der Woche

75 % — so viel niedriger sind laut Anthropic die durchschnittlichen Laufkosten von Claude Haiku 5.5 gegenüber Haiku 4.5, Stand 7. Oktober 2026. Bei Prompts bis 100.000 Token beträgt die Ersparnis 90 %, darüber 50 %. Gleichzeitig stieg die Leistung auf dem OSWorld-Teilset von 15,7 % auf 72,4 %. Preis und Fähigkeit verbessern sich damit im selben Schritt, nicht gegenläufig. Offen bleibt, wie viel davon unabhängige Tests bestätigen, denn die Benchmark-Angaben stammen vom Hersteller.

Leseempfehlung

„Anthropic Cyber Mission" (Anthropic, 8. Oktober 2026). Der Text zeigt, wie ein Frontier-Labor Cyber-Fähigkeiten gezielt an Verteidiger und Open-Source-Projekte lenkt, und benennt die Grenzen offen, etwa fehlende menschliche Prüfung der Scanner-Berichte. Er ergänzt die Preis- und Modellmeldungen der Woche um die Sicherheitsseite. anthropic.com ↗


Dieses Briefing erscheint jeden Freitag auf agi.jetzt — schau regelmäßig vorbei. Alle Daten live im Dashboard →

Spezialmodelle & neue Ansätze

Aus dem Modellregister: datierte Einträge zu Bild-, Video-, Sprach- und Decision-Modellen in der Woche dieser Ausgabe. Nicht Teil des Ausgabentexts, und keines davon ist ein Spitzenmodell.