Alphabet sammelt $80 Mrd. für KI-Compute — erste Aktienemission seit 2005, Berkshire zeichnet $10 Mrd.
Alphabet platziert $80 Mrd. neues Eigenkapital — die erste Aktienemission seit 2005, mit Berkshire Hathaway als $10-Mrd.-Ankerinvestor. SpaceX fixiert sein IPO bei $1,77 Bio. Bewertung. Microsoft löst sich operativ von OpenAI und launcht sieben eigene MAI-Modelle.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Alphabet sammelt $80 Mrd. für KI-Compute. Am Montag kündigte der Google-Mutterkonzern die erste Aktienemission seit 2005 an; Berkshire Hathaway zeichnet $10 Mrd. in einer Privatplatzierung.
- Trump unterzeichnet AI-Executive-Order. Die seit Mai mehrfach verschleppte Verordnung etabliert einen freiwilligen Rahmen, in dem Frontier-Modelle 30 Tage vor Release an Bundesbehörden gehen.
- SpaceX fixiert IPO-Preis bei $135. Am Mittwoch nagelte SpaceX den $75-Mrd.-Börsengang auf einen einheitlichen Festpreis — Nasdaq-Debüt am 12. Juni unter „SPCX”, Bewertung $1,77 Bio.
- Microsoft launcht sieben eigene MAI-Modelle. Auf der Build 2026 stellte Microsoft die hauseigene Modellfamilie vor — inklusive MAI-Thinking-1, das laut Microsoft Anthropics Opus 4.6 auf SWE-Bench Pro erreicht.
Alphabet sammelt $80 Mrd. — erste Aktienemission seit 2005
Am Montag, dem 1. Juni, veröffentlichte Alphabet eine Pressemitteilung, die einen 21 Jahre alten Konsens kippt: Der Mutterkonzern von Google holt sich $80 Milliarden frisches Eigenkapital — die erste neue Aktienemission seit 2005. Begründung im Statement: „strong demand for its AI solutions and services from enterprises and consumers, at levels that are exceeding the company’s available supply.” Übersetzt: Selbst Alphabets Cashflow und Bilanz decken den TPU- und Datacenter-Capex nicht mehr ab.
Die Struktur des Pakets ist dreigeteilt. $30 Milliarden gehen in zwei öffentliche Tranchen — $15 Mrd. mandatorisch wandelbare Vorzugsaktien und $15 Mrd. neue Class-A- und Class-C-Aktien. Weitere $40 Mrd. laufen ab Q3 2026 über ein At-the-Market-Programm, das laufende Verkäufe in den Sekundärmarkt erlaubt. Die letzten $10 Mrd. zeichnet Berkshire Hathaway in einer Privatplatzierung — je $5 Mrd. in Class-A zu $351,81 und Class-C zu $348,20, dokumentiert in einem am gleichen Tag eingereichten SEC-8-K. Joint Bookrunner sind Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley.
Strategisch verschiebt der Schritt das Verhältnis zwischen Hyperscaler-Capex und Kapitalmarkt. Alphabet finanzierte zwei Jahrzehnte lang jede Infrastruktur-Erweiterung aus Operating Cashflow und Anleihen; allein die Aktienrückkäufe liefen zuletzt im Volumen von rund $70 Mrd. pro Jahr. Eine Eigenkapital-Erhöhung dieser Größe — und vor allem die Berkshire-Beteiligung — signalisiert dem Markt zwei Dinge gleichzeitig: Erstens, der KI-Capex-Zyklus verlangt jetzt Kapitalstrukturen, die selbst Alphabet allein nicht mehr stemmt. Zweitens, klassische Wert-Investoren stufen Hyperscaler-Compute inzwischen als Infrastrukturwette ein, nicht als Tech-Spekulation. TechCrunch liest die Berkshire-Tranche explizit als „Validierung des Capex-Tempos” — bemerkenswert, weil es die erste KI-Großinvestition Berkshires unter dem Buffett-Nachfolger Greg Abel ist.
Die Counter-Position kommt aus der Wall-Street-Analystenwelt selbst. $80 Mrd. neue Aktien gegen eine Marktkapitalisierung von rund $2,3 Bio. bedeuten netto rund 3 % Verwässerung — kein triviales Volumen. Das At-the-Market-Programm verteilt diesen Druck zwar über zwei Quartale, koppelt aber den Emissionspreis an die laufende Kursentwicklung: Alphabet platziert Eigenkapital nur dann zum Höchstpreis, wenn die KI-Ergebnisse weiterhin überzeugen. Im Versagensfall wird das ATM zur Schlinge — Verkauf in fallende Märkte. Microsofts und Metas Capex-Pläne laufen weiterhin aus laufender Bilanz; Alphabet wählt jetzt erstmals den Eigenkapital-Weg.
Was als Nächstes passiert: Die öffentlichen Tranchen sollen binnen zwei Wochen schließen, das ATM-Programm startet im dritten Quartal. Marktbeobachter erwarten, dass Microsoft, Meta und Amazon binnen Quartalen mit eigenen Kapitalmaßnahmen folgen — entweder über Anleihen oder eigene Eigenkapital-Tranchen. Die Branche tritt damit in eine neue Phase: KI-Infrastruktur wird zur eigenen Anlageklasse mit eigenem Bewertungsmodell. Berkshires Einstieg liefert dieser Klasse ihre erste konservative Referenz.
Kurz notiert
SpaceX fixiert IPO-Preis bei $135 — $1,77 Bio. Bewertung. Am Mittwoch (3. Juni) konkretisierte SpaceX die in KW 21 gemeldete S-1-Anmeldung mit fixierten Konditionen: $135 pro Aktie, 555,6 Mio. neue Aktien, $75 Mrd. Bruttovolumen, $1,77 Bio. Post-Money-Bewertung. Der Börsengang ist eine reine Primärplatzierung — kein Altinvestor verkauft Anteile, alle $75 Mrd. fließen in die SpaceX-Bilanz. Nasdaq-Start unter „SPCX” am 12. Juni, Roadshow ab 8. Juni. Musk behält über 82 % Stimmrechte. Fortune ordnet ein: Volumen größer als Saudi Aramco und Alibaba zusammen, kein historischer Präzedenzfall für eine Kapitalaufnahme dieser Größe in einer einzigen Tranche.
Microsoft launcht sieben eigene MAI-Modelle und löst sich operativ von OpenAI. Auf der Build 2026 am 2. Juni stellte Microsoft die MAI-Modellfamilie vor: MAI-Thinking-1 (35 Mrd. aktive Parameter, 256K-Kontext, laut Microsoft „matches Opus 4.6 on SWE Bench Pro”), MAI-Code-1 für die GitHub-Integration, MAI-Image-2.5 (Platz 3 im Arena-Leaderboard), MAI-Voice-2 in 15+ Sprachen und MAI-Transcribe-1.5 mit 43 Sprachen. CNBC liest den Schritt als operative Umsetzung dessen, was Satya Nadella im Mai im Musk-v.-Altman-Prozess intern als Sorge formuliert hatte: man wolle nicht „das nächste IBM” werden. Daneben startete Microsoft Project Solara als Agent-OS für Nicht-Windows-Geräte und den persistenten „Scout”-Agenten für Microsoft 365.
Trump unterzeichnet die mehrfach verzögerte AI-Executive-Order. Am 2. Juni signierte das Weiße Haus die Verordnung „Promoting Advanced Artificial Intelligence Innovation and Security” — drei Wochen nach dem ursprünglich geplanten Termin und nach internem Streit zwischen NEC-Direktor Kevin Hassett sowie Stabschefin Susie Wiles (KW 20, 21). Die Verordnung etabliert einen freiwilligen Rahmen, in dem Frontier-Modell-Entwickler ihre Modelle 30 Tage vor Release Bundesbehörden zur Cyber-Prüfung übergeben können; Treasury, NSA und CISA definieren binnen 30 Tagen, welche Modelle als „covered frontier” gelten. Explizit ausgeschlossen sind jede Lizenzpflicht und Vorab-Genehmigung — der politische Kompromiss zwischen Sicherheits- und Anti-Regulierungs-Lager.
Anthropic reicht S-1 vertraulich ein, Glasswing wächst auf 150 weitere Organisationen. Zwei Anthropic-News in 24 Stunden: Am 1. Juni meldete das Unternehmen, ein vertrauliches Form-S-1 bei der SEC eingereicht zu haben — kein Volumen, keine Preisspanne, aber das offizielle Startsignal für den Börsengang und damit ein Tempo-Vorsprung gegenüber OpenAI, das laut Al Jazeera ebenfalls „in den kommenden Wochen” einreichen soll. Am 2. Juni erweiterte Anthropic Project Glasswing um 150 zusätzliche Organisationen in 15+ Ländern, darunter Stromnetz-, Wasser- und Krankenhausbetreiber. Seit dem Glasswing-Start im April fanden Partner über 10.000 als hoch oder kritisch eingestufte Sicherheitslücken in ihren Systemen mithilfe von Claude Mythos Preview.
DeepSeek schließt erste externe Runde — $7,4 Mrd. bei bis zu $59 Mrd. Bewertung. Die chinesische Lab-Firma DeepSeek verhandelt laut Axios ihre erste Außenfinanzierung über rund 50 Mrd. Yuan (~$7,4 Mrd.) bei einer Bewertung von $52–59 Mrd. — bislang war DeepSeek vollständig durch Gründer Liang Wenfeng und seinen High-Flyer-Hedgefonds finanziert. Tencent zeichnet 10 Mrd. Yuan, der Batteriehersteller CATL 5 Mrd., Liang selbst weitere 20 Mrd.; JD.com, NetEase und IDG Capital sind als Co-Investoren genannt (Reuters via Yahoo Finance). Mit der Runde positioniert sich Peking, einen eigenen Frontier-Champion mit Hyperscaler-Anschluss aufzubauen — die strukturelle Antwort auf Anthropic Series H und Alphabets Capex-Sprung in derselben Woche.
Zahl der Woche
$80 Milliarden — die Summe der Eigenkapital-Tranchen, die Alphabet am 1. Juni angekündigt hat. Zum Vergleich: Alphabet hatte seit dem Google-Börsengang 2004 keine neue Aktientranche zur Kapitalbeschaffung emittiert — alle Aktienbewegungen liefen ausschließlich über Mitarbeitervergütung und Rückkäufe. Die $10-Mrd.-Privatplatzierung an Berkshire Hathaway ist gleichzeitig die erste KI-Großinvestition des Konzerns unter dem neuen CEO Greg Abel. Rechnet man SpaceXs $75-Mrd.-IPO-Pricing und DeepSeeks $7,4-Mrd.-Runde dazu, wurden in derselben Kalenderwoche rund $162 Mrd. neu für KI-Compute mobilisiert — die größte verdichtete Mobilisierung von KI-Infrastruktur-Kapital in einer einzigen Woche, die je dokumentiert wurde.
Leseempfehlung
„Why SpaceX is breaking the IPO playbook with a $75 billion fixed-price offering” (Fortune, 4. Juni 2026). Fortune erklärt, warum SpaceX die Standard-Preisspanne durch einen einheitlichen Festpreis ersetzt — und warum diese Mechanik die nächsten KI-Hyperscaler-IPOs (Anthropic, OpenAI) prägen dürfte. Der Text verbindet Bilanz, Marktmikrostruktur und Musk-spezifische Governance auf eine Weise, die in den Tagesmeldungen verloren geht. Wer in einem Artikel verstehen will, warum diese Woche strukturell — nicht nur quantitativ — die KI-Finanzierungsgeschichte umschreibt, findet hier die Synthese. fortune.com ↗
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