Anthropic projiziert für Q2 erstmals einen Operating-Gewinn von $559 Mio. — Karpathy wechselt von OpenAI
Anthropic projiziert $10,9 Mrd. Umsatz und $559 Mio. operativen Gewinn in Q2 — der erste Quartalsprofit eines Frontier-Modell-Labors. Andrej Karpathy wechselt von OpenAI ins Pre-Training-Team. SpaceX legt S-1 als AI-Infrastruktur-IPO vor.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Anthropic erwartet erstes profitables Quartal — Laut einem internen Finanzierungsdokument projiziert Anthropic $10,9 Mrd. Umsatz und $559 Mio. operativen Gewinn in Q2.
- Karpathy wechselt von OpenAI zu Anthropic — Der OpenAI-Mitgründer verstärkt das Pre-Training-Team — der prominenteste Talent-Wechsel zwischen beiden Laboren bislang.
- Google I/O bringt Gemini 3.5 Flash, Spark und Omni — Drei neue Gemini-Modelle launchten am 19. Mai; Gemini 3.5 Flash kostet $1,50/$9 pro Mio. Tokens.
- OpenAI knackt 80 Jahre alte Erdős-Vermutung — Ein Reasoning-Modell löste autonom die planare Unit-Distance-Vermutung von 1946.
Anthropic auf dem Weg zum ersten Quartalsprofit
CNBC berichtete am 20. Mai unter Berufung auf ein von Investoren eingesehenes Finanzierungsdokument, dass Anthropic im laufenden Quartal $10,9 Milliarden Umsatz und einen operativen Gewinn von $559 Millionen erwartet. Das wäre der erste profitable Quartalsabschluss eines Frontier-Modell-Labors überhaupt — und träfe interne Anthropic-Pläne rund zwei Jahre früher als ursprünglich projiziert. Q1 schloss bei $4,8 Milliarden; die Q2-Prognose entspricht damit einer Verdopplung in drei Monaten.
Der zweite Datenpunkt der Woche lieferte den Kontext: Am 19. Mai verkündete OpenAI-Mitgründer Andrej Karpathy auf X, dass er bei Anthropic angefangen habe. Karpathy zählt zu den einflussreichsten KI-Forschern weltweit — Mitgründer von OpenAI 2015, später Tesla-AI-Chef, danach erneut OpenAI bis 2024, zuletzt Gründer der Bildungs-Firma Eureka Labs. Bei Anthropic übernimmt er ein neues Team unter Pre-Training-Lead Nick Joseph, das laut TechCrunch Claude für interne Pre-Training-Experimente einsetzen soll. Karpathys eigenes Statement bleibt nüchtern: er wolle „back to R&D” und erwarte, dass die nächsten Jahre an der LLM-Front besonders prägend werden.
Auf der Kunden- und Tooling-Seite verdichtete sich das Bild parallel. Am gleichen Tag launchten Anthropic und KPMG eine globale Allianz, die Claude in das KPMG-Produkt „Digital Gateway” einbaut und mehr als 276.000 KPMG-Mitarbeitende weltweit Zugang verschafft; Anthropic wird zudem „preferred partner” für Private-Equity-Mandate. Bereits am 18. Mai hatte Anthropic die SDK-Plattform Stainless für gemeldete $300+ Mio. übernommen — gehostete Stainless-Produkte werden eingestellt, was OpenAI, Google und Cloudflare zwingt, auf eigene SDK-Generierung umzuziehen. Innerhalb von 30 Tagen hat Anthropic Großkundendeals mit zwei der vier Big-Four-Häuser (PwC, KPMG) plus einem Beratungs-Schwergewicht (Bain — siehe KW 20) abgeschlossen.
Strategisch öffnet die Profitabilitäts-Prognose eine Frage, die Kritiker reflexhaft stellen: Ist das echtes Operating, oder werden gigantische Compute-Verträge und Aktien-Vergütungen außerhalb der Kennzahl geparkt? Der Branchen-Newsletter „Where’s Your Ed At?” nennt die Zahl polemisch „Profitability Swindle” und verweist auf den $45-Mrd.-Compute-Deal mit SpaceX/xAI, der Q2-operativ noch kaum durchschlägt. Anthropic selbst hat keine geprüften GAAP-Zahlen veröffentlicht — die $10,9 Mrd. stammen aus einem nicht-auditierten Investoren-Dokument. Eine Validierung gäbe es erst mit einer möglichen S-1, sollte Anthropic wie spekuliert im Q4 an die Börse gehen.
Was als Nächstes passiert: Die Compute-Lieferkette ist gesichert (siehe SpaceX-S-1 unten), das Enterprise-Geschäft skaliert, der Talent-Pool wird breiter — Anthropic positioniert sich nach Lehrbuch für einen IPO im Oktober oder November. Sollte die Q2-Zahl bei Auditprüfung halten, hätte Anthropic gegenüber OpenAI ein Argument, das Investoren bislang von keinem Frontier-Modell-Labor gehört haben: positive Unit Economics auf operativer Ebene.
Kurz notiert
Google I/O 2026 — drei neue Gemini-Modelle und ein 24/7-Agent. Auf dem Entwickler-Event in Mountain View (19.–20. Mai) launchte Google Gemini 3.5 Flash als Default-Modell in Gemini-App und AI-Mode-Suche — bei 4× höherer Output-Geschwindigkeit als Konkurrenz-Frontier-Modelle und einem Preis von $1,50/$9 pro Million Tokens, rund 40 % günstiger als das Vorgänger-Modell 3.1 Pro. Daneben startet „Gemini Spark”, ein persistenter Cloud-Agent für US-AI-Ultra-Abonnenten, sowie das multimodale „Gemini Omni” (Bild-, Audio- und Video-In, editierbares Video-Out) — alle Details im Developer-Keynote-Recap. 9to5Google ordnet ein: Google AI Ultra wird gleichzeitig von $250 auf $100 pro Monat gesenkt — eine direkte Antwort auf ChatGPT-Pro-Konditionen.
OpenAI knackt 80 Jahre alte Erdős-Vermutung. Am 20. Mai veröffentlichte OpenAI eine Notiz, wonach ein allgemeines Reasoning-Modell autonom die planare Unit-Distance-Vermutung von Paul Erdős (1946) widerlegt hat. Das Modell fand eine unendliche Familie von Punkt-Konstruktionen, die das bisher als optimal geltende Quadrat-Gitter polynomial schlagen. Geprüft wurde der Beweis u. a. von Noga Alon, Melanie Wood und Thomas Bloom; ein vollständiger Peer-Review steht aus. TechCrunch markiert den Unterschied zu einer früheren OpenAI-Behauptung in der gleichen Sache: diesmal liefert das Modell die Konstruktion selbst, nicht nur eine Literatur-Zusammenfassung.
Nvidia Q1 FY27 — $81,6 Mrd. Umsatz, davon $75,2 Mrd. aus Data Center. Nvidia meldete am 20. Mai für das Quartal bis 26. April $81,6 Milliarden Umsatz (+85 % gegenüber Vorjahr) bei einem Data-Center-Beitrag von $75,2 Milliarden (+92 %). Die Q2-Guidance liegt bei $91 Milliarden ±2 %. Gleichzeitig erhöhte Nvidia das Aktienrückkauf-Programm um $80 Milliarden und die Dividende um Faktor 25. Zur Einordnung: Nvidias quartalsweise Data-Center-Sparte überschreitet inzwischen den Jahresumsatz von Intel — der Compute-Engpass aus dem KW-19-Briefing ist messbar reine Nachfrage.
SpaceX reicht S-1 als „AI infrastructure company” ein. Am 20. Mai legte SpaceX seine S-1-Anmeldung bei der SEC vor und positioniert sich auf über 250 Seiten erstmals offiziell als AI-Infrastruktur-Unternehmen — Rakete, Starlink, Gas-Turbinen und xAI-Compute werden als ein integrierter Stack beschrieben. TechCrunch hebt drei Zahlen hervor: $1,25 Mrd. pro Monat von Anthropic für Colossus-Compute (gesamt rund $45 Mrd. bis Mai 2029), $12,7 Mrd. xAI-Capex im letzten Jahr und Orbital-Datacenter ab 2028. Ticker: „SPCX” an der Nasdaq, Roadshow voraussichtlich Anfang Juni.
Trump zieht AI-Executive-Order kurz vor Unterzeichnung zurück. Am Donnerstag (21. Mai) sagte Präsident Trump das angesetzte Signing eines AI-Oversight-Dekrets ab, das einen freiwilligen 90-Tage-Vorab-Zugang für Bundesbehörden zu nicht-veröffentlichten Frontier-Modellen vorgesehen hätte. Trump erklärte gegenüber Reportern, ihm gefielen „bestimmte Aspekte” der Vorlage nicht. Das wiederholt das Muster aus KW 19/20: Kevin Hassett (NEC) wirbt für FDA-ähnliches Vetting, Stabschefin Wiles und KI-Czar Sacks lehnen ab. CNN berichtet, das Signing solle „in den kommenden Wochen” nachgeholt werden — eine Formulierung, die die Branche seit Anfang Mai zum dritten Mal hört.
Zahl der Woche
$10,9 Milliarden — das ist Anthropics Umsatzprognose für Q2 2026, laut einem von CNBC eingesehenen Investorendokument. Wäre die Zahl korrekt, hätte Anthropic in einem Quartal mehr Umsatz erzielt als im gesamten Geschäftsjahr 2025 (rund $9 Mrd.). Gegenüber Q1 2026 ($4,8 Mrd.) entspricht das einer Verdopplung in drei Monaten — gegenüber Q2 2025 (rund $750 Mio.) sogar einem 14-fachen Zuwachs. Der projizierte Operating Profit von $559 Mio. wäre der erste positive Quartalsabschluss eines Frontier-Modell-Labors überhaupt. OpenAI generiert nach eigenen Angaben rund $2 Mrd. Umsatz pro Monat, hat aber keine vergleichbaren Operating-Profit-Zahlen veröffentlicht.
Leseempfehlung
„Two hours that changed AI” (Axios, 21. Mai 2026). Ina Fried und Sara Fischer fassen den Mittwochmorgen, den 20. Mai, in einer kompakten Stunde zusammen: SpaceX’ S-1-Filing, OpenAIs Erdős-Beweis, Nvidias Rekord-Quartal und Anthropics Profitability-Prognose fielen praktisch parallel. Die Autoren argumentieren, dieser Tag markiere den Übergang von KI-als-Plattform-Wette zu KI-als-Industrie — mit messbaren Cashflows, eigener Hardware-Supply-Chain und IPOs in Reichweite. Wer eine einzelne Quelle für die Woche lesen will, findet hier die saubere Synthese. axios.com ↗
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