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KI-Briefing KW 18/2026

Anthropic verhandelt $900-Mrd.-Bewertung — und könnte OpenAI überholen

Anthropic prüft eine Finanzierungsrunde bei $900 Mrd. Bewertung und könnte OpenAI als wertvollstes KI-Startup ablösen. Die vier großen Hyperscaler heben ihre Capex-Pläne auf $725 Mrd. an.

KW 18 · 2026 · · Stefan Braum

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Anthropic verhandelt $900-Mrd.-Bewertung — Bei Abschluss wäre es das wertvollste KI-Startup der Welt, noch vor OpenAIs $852 Milliarden.
  • $725 Mrd. KI-Capex in einem Jahr — Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta steigern ihre kombinierten Infrastruktur-Ausgaben um 77 % gegenüber 2025.
  • Musk gesteht Distillation — Im OpenAI-Prozess bestätigt der xAI-Gründer erstmals unter Eid, dass Grok teilweise auf OpenAI-Modellen trainiert wurde.
  • OpenAI verfehlt eigene Ziele — Laut Wall Street Journal liegen Umsatz und Nutzerwachstum unter den internen Projektionen; CFO Friar warnt vor Finanzierungsproblemen.

Anthropic bei $900 Mrd. — das wertvollste KI-Startup der Welt?

Anthropic prüft nach Angaben von Bloomberg und CNBC eine neue Finanzierungsrunde, die das Unternehmen mit über 900 Milliarden Dollar bewerten würde. TechCrunch berichtet von einem Volumen von rund 50 Milliarden Dollar. Die Überlegungen befinden sich in einem frühen Stadium — aber die Dynamik ist eindeutig.

Die Zahlen dahinter: Anthropics annualisierter Umsatz liegt bei rund 30 Milliarden Dollar, mit einer Run-Rate nahe 40 Milliarden. Noch im Februar lag die Bewertung bei 380 Milliarden Dollar. Eine Verdopplung in drei Monaten — getrieben von drei Kapitalgeber-Deals in Serie: bis zu 25 Milliarden Dollar von Amazon (davon 5 Milliarden sofort), bis zu 40 Milliarden Dollar von Google (10 Milliarden sofort bei einer Bewertung von 350 Milliarden), und nun die neue Runde mit externen Investoren.

Die strategische Dimension: Bei Abschluss würde Anthropic OpenAIs jüngste Post-Money-Bewertung von 852 Milliarden Dollar übertreffen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall — in derselben Woche berichtet das Wall Street Journal, dass OpenAI seine eigenen Umsatz- und Nutzerziele verfehlt hat. Die Machtverhältnisse im KI-Duopol verschieben sich messbar.

Allerdings: 900 Milliarden bei 30–40 Milliarden Jahresumsatz ergeben ein Price-to-Revenue-Verhältnis von über 20. Ob diese Bewertung in einem IPO-Szenario Bestand hat, ist offen. Investoren haben laut TechCrunch ein 48-Stunden-Fenster für ihre Zusagen erhalten — eine bewusste Knappheits-Strategie, die den Preis oben hält. Die finale Entscheidung wird auf einem Board-Meeting im Mai erwartet.

Was das bedeutet: Anthropic wäre nicht nur das wertvollste private KI-Unternehmen der Welt, sondern auch das einzige, das gleichzeitig von zwei konkurrierenden Cloud-Giganten finanziert wird. Die Wette der Investoren: Safety-first-KI gewinnt nicht nur ethisch, sondern auch ökonomisch. Ob das stimmt, wird sich an den Umsatzzahlen der nächsten zwölf Monate zeigen.

Kurz notiert

Earnings-Woche: $725 Mrd. für KI-Infrastruktur. Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta haben in ihren Quartalsberichten die kombinierten Capex-Pläne für 2026 auf 725 Milliarden Dollar angehoben — ein Plus von 77 % gegenüber 2025. Googles Cloud-Umsatz wuchs 63 % auf 20 Milliarden Dollar, Microsofts KI-Geschäft erreicht eine Jahresrate von 37 Milliarden Dollar (+123 %). Alphabet-CEO Sundar Pichai: „We are compute constrained.”

OpenAI verfehlt eigene Wachstumsziele. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hat OpenAI seine internen Projektionen für Umsatz und Nutzerwachstum mehrfach unterschritten. Das Ziel von einer Milliarde wöchentlich aktiver ChatGPT-Nutzer (WAU, Weekly Active Users) rückt in die Ferne — Gemini und Claude gewinnen Marktanteile. CFO Sarah Friar warnte intern, dass ohne beschleunigtes Wachstum die Finanzierung künftiger Compute-Verträge gefährdet sei. OpenAI nannte den Bericht „clickbait”.

Meta: 8.000 Stellen gestrichen, $145 Mrd. für KI. Meta meldete 56,3 Milliarden Dollar Quartalsumsatz (+33 %), hob den Capex-Ausblick aber auf bis zu 145 Milliarden Dollar an — und streicht gleichzeitig 8.000 Stellen (10 % der Belegschaft, wirksam ab 20. Mai). Teams werden in KI-fokussierte „Pods” umorganisiert, 6.000 offene Stellen wurden gestrichen. Die Aktie fiel nachbörslich um 9 %.

Musk gesteht: Grok wurde auf OpenAI-Modellen trainiert. Am dritten Tag des Prozesses Musk v. OpenAI bestätigte Elon Musk unter Eid, dass xAI OpenAI-Modelle per Distillation (Wissensdestillation — ein Verfahren, bei dem ein kleineres Modell das Verhalten eines größeren nachahmt) für das Grok-Training genutzt hat. Auf die Frage antwortete er: „Partly.” Es ist das erste öffentliche Eingeständnis eines US-Lab-Gründers, dass Distillation zwischen konkurrierenden Frontier-Modellen stattfindet. Im selben Atemzug ordnete Musk die KI-Rangliste ein: Anthropic führe, dann OpenAI, dann Google.

Tencent open-sourced HY-MT1.5: 440 MB, 33 Sprachen. Tencents Hunyuan-Team veröffentlichte am 29. April HY-MT1.5-1.8B-1.25bit — ein Übersetzungsmodell, das mit Sherry-1.25-Bit-Quantisierung (akzeptiert auf der ACL 2026) auf 440 MB komprimiert wurde und trotzdem deutlich größere Modelle wie Tower-Plus-72B schlägt. 33 Sprachen, lokal auf dem Smartphone lauffähig. Open Source auf GitHub und Hugging Face.

Zahl der Woche

$725 Mrd. — so viel planen Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta 2026 gemeinsam für Infrastruktur auszugeben. Das ist ein Anstieg von 77 % gegenüber 2025 und übertrifft das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz. Rund 75 % davon — etwa 545 Milliarden Dollar — fließen in KI-spezifische Hardware: GPUs, Server, Rechenzentren, Kühlung. Alphabet-CEO Pichai sagte, die Cloud-Einnahmen wären höher, wenn man die Nachfrage bedienen könnte. Die Parallele zum Telekom-Investitionszyklus der späten 1990er ist nicht mehr nur eine Metapher — sie ist ein quantitativer Vergleichswert.

Leseempfehlung

„Big Tech is about to spend $700 billion on AI this year. No one knows where the buildout ends.” (Fortune, 30. April 2026). Der Artikel ordnet die Capex-Explosion der Earnings-Woche in historischen Kontext ein: Warum die Investitionsraten selbst für Boom-Phasen beispiellos sind, welche Unternehmen Investoren überzeugen und welche nicht, und ab wann die Bilanzrisiken materiell werden. Wer verstehen will, ob hier Infrastruktur gebaut oder verbrannt wird, findet hier die ökonomische Klammer. fortune.com ↗


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