Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Meta guidet bis zu $135 Milliarden Capex für 2026 — Der Konzern kündigte in seinem Q4-Bericht die bislang höchste KI-Infrastruktur-Prognose eines Einzelunternehmens an, getrieben vom Ausbau der Meta Superintelligence Labs.
- Moonshot AI veröffentlicht Kimi K2.5 offen — Das chinesische Labor stellte ein 1-Billionen-Parameter-Modell unter offener Lizenz bereit, das auf mehreren Benchmarks mit westlichen Frontier-Modellen mithält.
- OpenAI startet Prism für die Wissenschaft — Ein kostenloser, GPT-5.2-gestützter Workspace soll Forschenden das Schreiben und Kollaborieren an Fachpublikationen erleichtern.
- Amazon streicht 16.000 weitere Stellen — Die zweite Entlassungswelle seit Oktober bringt den KI-getriebenen Bürokratieabbau auf insgesamt rund 30.000 Jobs.
Meta guidet bis zu $135 Milliarden KI-Infrastruktur-Investitionen für 2026
Meta veröffentlichte am 28. Januar seinen Quartals- und Jahresbericht für 2025, und darin steckte eine Ausblick-Zahl, die selbst in einer an Superlative gewöhnten Branche für Aufsehen sorgte. Für das Geschäftsjahr 2026 plant der Konzern Investitionsausgaben von $115 bis 135 Milliarden — eine Spanne, die noch vor einem Jahr als unrealistisch gegolten hätte. Nahezu die gesamte Summe fließt in den Ausbau der KI-Infrastruktur rund um die neu formierten Meta Superintelligence Labs.
Die Eckdaten aus dem Bericht: Der Jahresumsatz 2025 stieg um 22 Prozent auf $200,97 Milliarden, das vierte Quartal allein brachte $59,89 Milliarden (plus 24 Prozent). Gleichzeitig kletterten die tatsächlichen Investitionsausgaben 2025 auf $72,22 Milliarden, davon $22,14 Milliarden allein im vierten Quartal. Die operative Marge sank im Jahresvergleich von 48 auf 41 Prozent — ein direkter Effekt der massiv steigenden Abschreibungs- und Infrastrukturkosten. Die Vollzeitstellen wuchsen um 6 Prozent auf 78.865, mit Schwerpunkt auf technischem Personal für KI-Prioritäten.
Strategisch markiert die Guidance einen Bruch mit der bisherigen Kommunikation. Meta betonte 2025 wiederholt, Investitionen "flexibel" an die Nachfrage anzupassen — die Verdopplung der Capex-Spanne gegenüber dem Ist-Wert 2025 liest sich dagegen wie ein Bekenntnis zum reinen Skalierungswettlauf. CEO Mark Zuckerberg formulierte das Ziel in der Mitteilung selbst so: Er wolle 2026 "personal superintelligence" für Menschen weltweit vorantreiben — eine bewusst vage Formulierung, die konkrete Produktversprechen vermeidet, aber die Kapitalbindung rechtfertigen soll.
Kritiker sehen darin vor allem ein Risiko: Die Marge schrumpft bereits messbar, während der Ertrag aus den milliardenschweren KI-Wetten noch nicht klar ausgewiesen ist. Verglichen mit dem offenen Modell, das in derselben Woche aus China kam (siehe Kimi K2.5 unten), wirkt Metas Ansatz kapitalintensiv statt kompute-effizient — zwei fundamental unterschiedliche Strategien, um im selben Wettlauf zu bestehen. Ob sich die Wette auszahlt, zeigt sich frühestens mit den Q1-2026-Zahlen im April; bis dahin bleibt die Zahl vor allem ein Signal an Investoren und Konkurrenten, wie ernst Meta den Umbau zu einem KI-first-Unternehmen meint.
Kurz notiert
Moonshot AI veröffentlicht Kimi K2.5 offen. Das chinesische Labor stellte am 27. Januar ein 1-Billionen-Parameter-Modell im Mixture-of-Experts-Design (MoE: Nur ein Teil der Parameter wird pro Anfrage aktiviert) mit 32 Milliarden aktiven Parametern pro Token unter der Modified-MIT-Lizenz bereit — trainiert auf rund 15 Billionen Text- und Bild-Tokens, mit 256K-Kontextfenster. Auf Benchmarks wie AIME 2025 (96,1 Punkte) und SWE-Bench Verified (76,8 Punkte) liegt das Modell auf Augenhöhe mit proprietären Frontier-Systemen. Parallel veröffentlichte Moonshot mit Kimi Code einen offenen Coding-Agenten, der sich in Editoren wie VS Code und Cursor einklinkt (TechCrunch).
OpenAI startet Prism für die Wissenschaft. Am 27. Januar launchte OpenAI Prism, einen kostenlosen, GPT-5.2-gestützten Workspace für wissenschaftliches Schreiben. Das LaTeX-native Tool geht auf die Übernahme der Plattform Crixet zurück und bietet unbegrenzte Projekte und Mitarbeitende — zunächst für alle ChatGPT-Privataccounts, Business- und Enterprise-Pläne sollen folgen. Kevin Weil, OpenAIs VP for Science, erwartet für 2026 "einen vergleichbaren Schub für die Wissenschaft, wie ihn 2025 die Software-Entwicklung erlebt hat" (TechCrunch).
Amazon streicht 16.000 weitere Stellen. Amazon teilte den betroffenen Corporate-Mitarbeitenden am Morgen des 28. Januar mit, dass ihre Stellen wegfallen — die zweite Entlassungswelle seit Oktober 2025 und in Summe der größte Stellenabbau der Firmengeschichte mit rund 30.000 betroffenen Jobs. CEO Andy Jassy hatte die Kürzungen bereits im Sommer mit Effizienzgewinnen durch KI begründet; Betroffene in den USA erhalten 90 Tage interne Jobsuche plus Abfindung (Bloomberg).
Google rollt Chrome Auto Browse aus. Ebenfalls am 28. Januar kündigte Google Auto Browse an, eine agentische Browsing-Funktion auf Basis von Gemini 3, die mehrstufige Aufgaben wie Formulare ausfüllen oder Reisen recherchieren eigenständig erledigt. Die Preview startet für zahlende Google-AI-Pro- (20 Aufgaben täglich) und AI-Ultra-Abonnenten (200 täglich) in den USA; sensible Aktionen wie Käufe erfordern weiterhin explizite Bestätigung (TechSpot).
DeepMind öffnet den Quellcode von AlphaGenome. Google DeepMind machte am 28. Januar Quellcode und Modellgewichte des Genom-Vorhersagemodells frei zugänglich — bislang war der Zugriff auf eine kostenlose API beschränkt. Seit dem Launch im Juni 2025 nutzen nach Angaben von DeepMind fast 3.000 Forschende aus 160 Ländern das Modell, mit rund einer Million API-Aufrufen täglich, unter anderem in der Krebs- und Neurodegenerations-Forschung (StatNews).
Zahl der Woche
$115 bis 135 Milliarden — so hoch beziffert Meta seine geplanten Investitionsausgaben für 2026, fast doppelt so viel wie die $72,2 Milliarden, die der Konzern 2025 tatsächlich ausgab. Zum Vergleich: Der Jahresumsatz 2025 lag bei $200,97 Milliarden — Meta reinvestiert damit potenziell mehr als die Hälfte seines Umsatzes direkt in Rechenzentren, Chips und KI-Infrastruktur. Die operative Marge gab im selben Zeitraum bereits von 48 auf 41 Prozent nach. Diese Größenordnung übertrifft die Investitionsbudgets vieler Staaten und markiert, wie sehr der Wettlauf um KI-Kapazitäten inzwischen von reiner Kapitalkraft entschieden wird (Meta Q4/2025 Earnings Release).
Leseempfehlung
„The Adolescence of Technology: Confronting and Overcoming the Risks of Powerful AI" (Dario Amodei, 27. Januar 2026). In einem 36-seitigen Essay ordnet Anthropics CEO die Risiken mächtiger KI in fünf Kategorien — von autonomem Fehlverhalten über Missbrauch für Biowaffen bis zu wirtschaftlicher Verdrängung, bei der bis zu 50 Prozent der Einstiegsjobs im Bürobereich binnen ein bis fünf Jahren betroffen sein könnten. Amodei lehnt Fatalismus ausdrücklich ab, hält "powerful AI" aber für nur noch ein bis zwei Jahre entfernt — eine ungewöhnlich konkrete Einordnung von einem Lab-Chef, der damit auch sein eigenes Unternehmen adressiert. darioamodei.com ↗
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